Rhetorische Mythen im TALKLAB-Check - Teil 1

"Ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte!"


Wer kennt nicht den Satz: „Ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte“? (Fast) jeder Lehrer, jeder Manager, jeder Berater und die meisten Rhetoriktrainer wiederholen ihn gebetsmühlenartig vor ihrem Publikum.  Doch auch ständige Wiederholung macht diesen Satz nicht wahrer. Wir halten ihn für einen der hartnäckigsten Irrtümer der Rhetorik.

Populär wurde der Ausdruck durch eine Werbeanzeige in einer Fachzeitschrift der Werbebranche („Printers´ Ink“) im Dezember 1921. Der Slogan damals „One Look is Worth A Thousand words“ warb für den Gebrauch von Bildern statt langatmiger Texte in Werbeanzeigen. Hintergrund war die kommerzielle Ausnutzung der Leerflächen auf den neuartigen elektrischen Straßenbahnen in den Städten. Als Problem erschien die Geschwindigkeit mit der sich diese Trams bewegten: Lange Texte lassen sich darauf nicht lesen – so entstand konsequent die Idee „Bilder statt Worte“.

Urheber des Slogans war ein Werber namens Fred R. Barnard, der auch gleich eine theoretische Begründung mitlieferte: Bilder gehen direkt ins Gehirn, Worte können das nicht. Später soll Barnard behauptet haben, dass es sich um eine alte chinesische Weisheit handele. Traditionell genießen chinesische Weisheiten höheres Renommee als amerikanische Werbefloskeln. Die Wahrheit ist (wahrscheinlich), dass Barnard nicht bei chinesischen Weisen, sondern eher bei russischen Schriftstellern des 19. Jahrhunderts geklaut hatte. So findet sich bei Iwan Sergejewitsch Turgenjews Roman "Väter und Söhne", 1862 die Formulierung:

"Das Bild zeigt mir auf einen Blick, wozu es Dutzende Seiten eines Buches brauchen würde zu erklären."

Und was bedeutet das für Deine Rhetorik?

Komplizierte Sachverhalte können mit Bildern leichter transportiert werden. Das ist der Sinn und Zweck sowie das Prinzip eines gut gemachten Diagramms. Aber das gilt nicht für Bilder, die Emotionen, Gefühle oder Stimmungen vermitteln sollen.

Zeige ich Dir das Bild einer Blumenwiese, mag Dir das gefallen. Beschreibe ich Dir jedoch - in einer zweiten Version - eine Blumenwiese mit all ihrer Vielfalt an Farben, Gerüchen, Geräuschen und Stimmungen, dann bemerkst Du schnell, dass die Sprachversion bei Dir viel mehr auslöst, Dich mehr berührt, Dich mehr bewegt.

Der Grund ist einfach: Die Wiese entsteht auf Deiner geistigen Leinwand! Bei der Foto-Version ist und bleibt das Bild außerhalb von Dir. Mit der Sprachversion entsteht das Bild in Dir selbst. Ich habe es auf Deine geistige Leinwand gemalt. Du siehst nicht mehr nur das Bild, Du kannst die Wiese riechen und fühlen und Du ahnst, wie Du Dich selbst auf dieser Wiese fühlen würdest. Das ist was zählt und was Dich berührt!

Unser Fazit: Bilder wirken am besten, wenn Du sie sprachlich in die Köpfe Deiner Zuhörer projizierst. Willst Du lernen, wie das funktioniert? Und wie Du sprachliche Bilder auch im Business-Kontext nutzen kannst? Dann bist Du bei TALKLAB genau richtig. In unserem rhetorischen Fitness-Training lernst Du, wie Du jedem Foto die Schau stiehlst ;-) Versprochen!

Ein Blog-Beitrag von:

JÖRG KOHLBACHER,58

TALKLAB-Trainer


Jörg unterstützt Dich mit seiner geballten Erfahrung. Er ist Offroad-Abenteurer, Tierfreund, Familienmensch und von Matthias Pöhm zertifizierter Kommunikationstrainer. Von ihm lernst Du, was eine Begegnung mit Wölfen mit guter RHETORIK zu tun hat!
TALKLAB - Das Fitness-Training für Deine Rhetorik

(Quellen: Vgl. Matthias Pöhm und Xaver Frühbeis)